Winterbräuche: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Joseph Friedrich Lentner: Bavaria, Oberbayern, Die Landgerichte im Gebirge (1851)'''
<u>Gericht Reichenhall:</u> „An den Klöpfelsnächten liefen hier viele Masken selbst mit Musik von Haus zu Haus, und die sich zu erkennen geben, erhielten Branntwein und Obst. In der Rauhnacht (5./6. Jan.) auch Berchtennacht genannt, hielt man, eh die Polizei es abstellte, ebenfalls einen nächtlichen Mummenschanz, das Berchtenlaufen. Einzelne Arme singen noch Hirten- und Sternlieder. Zu Niklas (5./6. Dez.) erscheint der Klaubauf oder die Frau Bercht. In der Thomasnacht (21./22. Dez.) üben die Mädchen auch hier mancherlei Aberglauben, werfen mit dem Schuh hinter sich, gießen Blei, zählen Spähne, wobei sie glauben, daß das Erwischen einer gleichen Zahl mit einem Griffe ihre baldige Heirath bedeutete. Sie waschen sich in der Christnacht (24./25. Dez.). Es gibt auch sonst viel Aberglauben; man kennt die Irrwurzel und ähnliche Hexenmittel, und glaubt fest an die Zwerggeister des Untersberges.“
<u>Gericht Berchtesgaden:</u> „Am Niklasabend kömmt der der hl. Bischof und mit ihm der Buttenmann, ein Kinderschreck mit einer Butte (Kürbe, Kirm) am Rücken, der Geschenke verteilt. Am 3 Königsabend fürchtet man die Frau Bercht und räuchert das Haus. Die Kirchensänger ziehen herum zum Sternsingen und Hirtenspiel; sie führten vor Zeiten in der Christmette auch eine Musik auf mit Schalmei, Zimbal und Bockhorn“




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Was lässt sich also für die Reichenhaller Situation aussagen: Tatsächlich gibt es bisher keine stichhaltigen Quellen für ein lokales Perchtenbrauchtum mit Ausnahme der Karlsteiner Perchten, die durch ihr besonderes und elitär anmutendes Auftreten einen originären Charakter in sich bergen. Ihnen sollte in der Öffentlichkeit ein breiteres Interesse geschenkt werden. Den wilden Krampusperchtenlauf, wie er — durch die unvermeidbare Ausstrahlung aus dem Salzburger Grenzraum — seit einiger Zeit auch im Reichenhaller Raum verhältnismäßig beliebig und zumeist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus betrieben wird, hat es in dieser Form sicherlich nie gegeben. Man vermisst sowohl das polarisierte Element des Guten (z. B. Schönperchten), noch hat man den Eindruck, dass durch ein bestimmtes Ritual eine abstrakte Botschaft zu erkennen ist. Oder sollte etwa gerade dies die zu vermittelnde (in diesem Fall durchaus anspruchsvolle) Botschaft sein, dass unsere Zeit eben ausschließlich die Kommerzialisierung in allen Bereichen vorbetet?
Was lässt sich also für die Reichenhaller Situation aussagen: Tatsächlich gibt es bisher keine stichhaltigen Quellen für ein lokales Perchtenbrauchtum mit Ausnahme der Karlsteiner Perchten, die durch ihr besonderes und elitär anmutendes Auftreten einen originären Charakter in sich bergen. Ihnen sollte in der Öffentlichkeit ein breiteres Interesse geschenkt werden. Den wilden Krampusperchtenlauf, wie er — durch die unvermeidbare Ausstrahlung aus dem Salzburger Grenzraum — seit einiger Zeit auch im Reichenhaller Raum verhältnismäßig beliebig und zumeist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus betrieben wird, hat es in dieser Form sicherlich nie gegeben. Man vermisst sowohl das polarisierte Element des Guten (z. B. Schönperchten), noch hat man den Eindruck, dass durch ein bestimmtes Ritual eine abstrakte Botschaft zu erkennen ist. Oder sollte etwa gerade dies die zu vermittelnde (in diesem Fall durchaus anspruchsvolle) Botschaft sein, dass unsere Zeit eben ausschließlich die Kommerzialisierung in allen Bereichen vorbetet?


''Bearbeitung:'' Andreas Hirsch
'''Bearbeitung:''' Andreas Hirsch