Ägidikirche (Bad Reichenhall)

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Die Kirche St. Ägidius gehört zur Pfarrei St. Nikolaus in der Katholischen Stadtkirche Bad Reichenhall. Sie wurde zur Zeit der Hochblüte der Stadt im 12. Jahrhundert errichtet. Von 1934 bis 2009 war das Gotteshaus die Klosterkirche für den Orden der Karmeliten in Bad Reichenhall.

Geschichte

Am Mauerwerk der Westfassade lassen sich verschiedene Bauphasen erkennen.
Der Chor am Ägidiplatz
Der Innenraum von St. Ägidius

Auf Initiative von vermögenden Reichenhaller Bürgern, die eine zusätzliche Kirche zur St.-Johannes-Kirche innerhalb der Stadt wünschten, wurde St. Ägidius ab 1159 errichtet. Damit sollte die seelsorgliche Betreuung verbessert werden. Einzig der Patrizier Heinrich Laubez ist als Stifter namentlich bekannt. Der Salzburger Erzbischof Eberhard I. stellte am 16. November 1159 eine Urkunde aus, in der das zukünftige Gotteshaus unter die pfarrliche Betreuung der Augustiner Chorherren von St. Zeno gestellt wurde. Darin bezeichnete er Reichenhall erstmals als Stadt (civitas). Spätestens seit dieser Nennung gilt Reichenhall als vollendete Stadt mit einem ausgeprägten Bürgertum.

St. Ägidius galt als Hauptkirche Reichenhalls bis ins 15. Jahrhundert, als sie von der größeren Nikolauskirche in der Beliebtheit bei den Gläubigen abgelöst wurde. Herzog Friedrich stiftete für das Gotteshaus 1378 eine tägliche Messe, die so genannte „Mittermesse“. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert erfolgte der Ausbau der romanischen Saalkirche im heutigen Stil. Dabei wurden die Langhausmauern und der Giebel erhöht und anstelle der hölzernen Flachdecke ein gotisches Gewölbe eingezogen. Die romanische Apsis brach man ab und errichtete stattdessen eine gotische Choranlage mit zwei Jochen und einem 5/8-Schluss.

An der Nordseite der Kirche wurde 1529 der Turm errichtet. Nach dem großen Stadtbrand von 1515 war man vorsichtiger geworden und nutzte ihn auch als Feuerwachtturm, auf dem der Türmer (bis ins 19. Jh.) Ausschau hielt und mit Hornsignalen und Glockengeläut auf Gefahren hinwies. Im 17. Jahrhundert wurde der Turm umgebaut, wobei man ihm eine Türmerstube und eine Welsche Haube aufsetzte.

Beim Stadtbrand von 1834 wurde auch St. Ägidius schwer beschädigt. Der Turm brannte aus und der brennende Dachstuhl brachte das Gewölbe der Kirche zum Einsturz. Die barocke Inneneinrichtung wurde ein Raub der Flammen. Im Jahr 1836 setzte man Notdächer auf die Ruine und von 1839 bis 1841 wurde der Turm in seine heutige Form gebracht. Außerdem wurde in der Kirche ein neues Gewölbe eingezogen, die Außenmauer verstärkt und ein neues Dach errichtet. Ab 1843 folgte die Inneneinrichtung, bis die Kirche am 21.Juni 1847 durch den Münchener Erzbischof Carl von Reisach geweiht werden konnte. Bereits ab 1877 entsprach die Inneneinrichtung nicht mehr dem Zeitgeschmack. Bis 1884 entstand daher das heutige Erscheinungsbild.

Von 1934 bis 2009 diente das Gotteshaus als Klosterkirche für Karmeliten der Oberdeutschen Provinz (Bamberg). In den 1970er Jahren wurde das nördlich an den Turm angebaute Gebäude abgerissen. Dabei stellte man fest, dass der Turm einsturzgefährdet war. Von 1978 bis 1980 wurde er abgetragen und originalgetreu wieder aufgebaut. Dem Volksglauben nach gehört die Ägidikirche zu jenen Gotteshäusern, in denen die Untersberger Mandl ihre nächtlichen Messen abhalten.

Beschreibung

Äußeres

Auf der West- und Ostseite ist gut zu erkennen, dass sich unter der Kirche eine romanische Unterkirche befindet, deren Bestimmung nicht bekannt ist. Von der Straße aus ist das Portal der Oberkirche über zehn Stufen zu erreichen. Am Mauerwerk der Westfassade lassen sich auch die romanischen Mauern und die gotische Aufstockung des 15. Jahrhunderts gut erkennen. Der Turm zeigt sich in der Form der Renovierung nach dem Stadtbrand von 1834 mit einer neugotischen Turmspitze. An der Südostseite des Chors befindet sich ein Gemälde von dem bekannten Kirchenmaler Georg Gschwendtner, das an die Toten des Luftangriffs auf Bad Reichenhall am 25. April 1945 erinnert.

Inneres

Die ursprünglich flach gedeckte romanische Saalkirche wurde im 15. Jh. eingewölbt. Das heutige Gewölbe wurde nach dem Einsturz beim Stadtbrand von 1834 in den Jahren 1839 bis 1841 neu eingezogen. Die Chorachse ist leicht nach Norden (links) geknickt. Der schmale, hohe Raum bildet mit der neugotischen Einrichtung eine harmonische Einheit. Ausstattung Der Innenraum wird beherrscht von drei Glasgemälden, die 1882 von der Zettlerschen Hofglasmalerei, München nach einem Entwurf von Franz Xaver Zettler geschaffen wurden. Das mittlere Fenster zeigt oben den heiligen Ägidius, darunter die Anbetung des Jesuskindes durch die heiligen drei Könige. Ganz unten eine Szene der Salzgewinnung in Reichenhall. Im linken Fenster oben der heilige Sebastian, darunter der heilige Rupert, wie er in Reichenhall in Anwesenheit des Herzogspaars predigt. Darunter der heilige Antonius von Padua. Das rechte Fenster zeigt oben den heiligen Florian und in der Mitte die sagenhafte Gründung des Klosters St. Zeno durch Karl den Großen. Unten die Heiligen Georg, Zeno und Pankraz.

Auf dem Hochaltar aus dem Jahre 1884 stehen in der Mitte der Kirchenpatron Ägidius, links der heilige Josef mit Franziskus und Antonius sowie rechts Maria Immaculata mit Aloisius und Elisabeth. Im Gewölbe über dem Altar hängt ein großes Chorkreuz, das ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt. An der prächtigen Kanzel sind Reliefs der vier Evangelisten zu sehen. Auf dem Kanzeldeckel steht in einem Baldachin Jesus mit dem Buch des Lebens umgeben von vier Posaunenengeln.

An der rechten Langhauswand neben der Kanzel findet sich eine Figur des heiligen Josef (20. Jh.) und auf der linken Seite auf einer Steinsäule eine Skapuliermadonna (1946). Es handelt sich dabei um „Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel“ (Maria als Patronin des Ordens der Karmeliten). Die in die Wände eingelassenen Kreuzwegstationen stammen aus dem Jahr 1884.

Literatur

Walter Brugger: Die Kirchen der Pfarrei St. Nikolaus Bad Reichenhall, 1994

Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009

Link: Karmeliten verlassen Reichenhall: http://www.heimatzeitung.de/cho/archiv/736644_Nachwuchssorgen-zwingen-zur-Aufgabe.html


Bearbeitung: Andreas Hirsch