Altes Rathaus (Bad Reichenhall)

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Das Alte Rathaus in Bad Reichenhall
Das mittelalterliche Rathaus stand mitten auf dem Platz
Altes Rathaus ohne Fresken um 1910

Das Alte Rathaus am Rathausplatz von Bad Reichenhall wurde 1849 bis 1850 erbaut. Es ersetzte das beim Stadtbrand von 1834 zerstörte mittelalterliche Rathaus.

Geschichte

Inmitten des heutigen Rathausplatzes stand über Jahrhunderte das Reichenhaller Rathaus, bis es durch den Stadtbrand von 1834 zerstört wurde. Als Ausweichquartier bezog die Stadtverwaltung zunächst das kleine Zolleinnehmerhaus vor den Mauern der Stadt, das unbeschädigt geblieben war. In diesem heute „Zugschwerdthaus“ genannten Gebäude wohnte später der Verleger Max Zugschwerdt, der 1841 die erste Reichenhaller Zeitung herausbrachte.

In den Jahren 1849 bis 1850 entstand an der Westseite des Rathausplatzes ein neues Schul- und Rathaus, nachdem man die Ruine des Vorgängerbaus abgetragen hatte. Der königliche Baukonstrukteur Hans Lukas, ein Schüler des bekannten Architekten Friedrich von Gärtner, knüpfte beim Stil des Gebäudes harmonisch an die Formensprache der Alten Saline an. Das ursprünglich schlichte dreistöckige Gebäude mit hohem Erdgeschoss wird durch den Turm als Rathaus erkennbar. Diesem Turm ist im ersten Obergeschoss ein kleiner Balkon vorgesetzt, der an seiner steinernen Brüstung das zur Erbauungszeit gültige Stadtwappen trägt.

Im Jahr 1937 wurde ein weiteres Verwaltungsgebäude, das „Neue Rathaus“, an der Südseite des Rathausplatzes errichtet, das sich äußerlich durch Anklänge an die Inn-Salzach-Bauweise in die Umgebung einfügt.

Fresken

Als die Fassade des Rathauses 1924 renoviert werden musste, entschloss sich der Stadtrat dazu, die Schauseite mit Fresken versehen zu lassen. Dort sollten bedeutende Persönlichkeiten der Reichenhaller Geschichte dargestellt werden. Mit der Ausführung beauftragte man den Künstler Josef Hengge, welcher zuvor die Fresken am Passauer Rathaus geschaffen hatte.

An die Außenseiten platzierte man Allegorien, die als „Symbole eines glücklichen Gemeinwesens“ galten, Justitia (Gerechtigkeit) und Caritas (Nächstenliebe, Wohltätigkeit). Dazu wurden vier Persönlichkeiten gestellt, die man während dieser Zeit als bedeutend für die Geschichte Reichenhalls ansah. Karl der Große wurde damals noch mit der Gründung der ersten Zenokirche in Zusammenhang gebracht, was heute als überholt gilt. Außerdem sah man nach dem Untergang der Monarchie (1918) den Kaiser als ein Symbol für die einstige Größe und den Ruhm des Deutschen Reiches. Der heilige Rupertus, Stadtpatron von Bad Reichenhall, hatte einst ein Drittel der Saline vom Bayernherzog Theodo II. erhalten. Einer Legende zufolge hat Rupert die verschütteten Reichenhaller Solequellen wieder zum Entspringen gebracht, indem er mit seinem Bischofsstab an die Stelle schlug, an der sie seither entspringen. Tatsächlich wurde unter Rupert die Salzproduktion verbessert und ausgebaut, denn die Saline entwickelte sich im 8. Jahrhundert zur einzigen exportorientierten Salz-Produktionsstätte im Ostalpenraum. „Reichenhall erhielt unter Friedrich I. Barbarossa die Stadtrechte 1159“, lautet eine Begründung für die Darstellung dieses Herrschers, was aus heutiger Sicht fragwürdig erscheint, da ein Datum einer Verleihung der Stadtrechte nicht bekannt ist und der Kaiser nicht damit in Verbindung zu bringen ist. Als Beschützer und Wohltäter des Augustiner Chorherrenstifts St. Zeno trat Friedrich Barbarossa jedoch auf. Josef Hengge gestaltete das Fresko dementsprechend nach dem Vorbild des Kaiser-Reliefs im Kreuzgang von St. Zeno. König Ludwig I. ließ nach dem Stadtbrand von 1834 die Alte Saline errichten. Die Abbildung des Königs sollte aber auch die Verbundenheit der Stadt mit dem „erlauchten Hause Wittelsbach“ in „unentwegter Bayerntreue“ zum Ausdruck bringen.


Zwischen den Figuren sind elf Wappen angebracht. Es sind dies von links nach rechts:

Gotteslamm: Erstes Siegel der Bürger von Reichenhall (1279) als Wappen dargestellt

Adler: Wappen des deutschen Königs

Fische: Stiftswappen des Augustiner Chorherrenstifts St. Zeno

Aufgehende Sonne: Phantasiewappen des Priesters Lanzo, erster Propst von St. Zeno (1136-1146). Das Wappen wurde von einer Wappentafel der Pröbste von St. Zeno aus dem 18. Jh. übernommen.

Löwe und Rot-Weiß-Rot: Land Salzburg

Rauten und Greif: Stadt Reichenhall, (verfälschtes Wappen, letztes Drittel des 18. Jh. bis 1929)

Rauten: Altbayern

Feuerlilie auf Dreiberg: Wolfgang Lueger, Propst von St, Zeno (1515-1526). Unter Lueger Wiederaufbau der Stiftskirche nach dem Brand von 1512.

Kreuz: „Stauferkreuz“ aus der kaiserlichen Heerfahne in der Zeit der Kreuzzüge

Königreich Bayern (Wappen von 1835-1918)

Panther und Rauten: Wappen der Stadt Reichenhall (Anfang 14. Jh.)

Literatur

Herbert Pfisterer: Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte, 1988

Fritz Söllner: Die Fresken am Rathaus, Heimatblätter 29/1924, 30/1924


Bearbeitung: Andreas Hirsch