Brunnen in Bayerisch Gmain

Brunnen am Grenzübergang
Brunnen am Grenzübergang
Brunnen beim Bahnhof Bayerisch Gmain
Brunnen am Bahnhofsvorplatz
Brunnen im Bergfriedhof
Brunnen bei der Kriegerkapelle

Ein Brunnen ist eine technische Anlage zur Gewinnung von Wasser oder ein Auffangbecken für Wasser. In Zeiten, in denen es noch keine öffentlichen Wasserleitungen gab, musste das Wasser vom Brunnen geholt werden. Da die Leute sich dabei zwangsläufig begegneten, wurde der Brunnen zu einem Ort, wo man sich traf und Neuigkeiten austauschen und “ratschen“ konnte. In diese Sinne wurde der Brunnen romantisiert, und es gibt viele Gedichte und Lieder, in denen der Brunnen besungen wird. In unserer Zeit hat der Brunnen diese Bedeutung völlig verloren, heute ist er ein Mittel zur Gestaltung und Verschönerung des Ortsbildes. Freilich kann man sich auch heute noch an einen Brunnen setzen und beim Geplätscher des Wassers seinen Gedanken nachhängen und träumen. In Bayerisch Gmain gibt es neun Brunnen: der Fischbrunnen im Kurgarten, die beiden Brunnen am Bahnhof, der Brunnen am Grenzübergang, der Brunnen vor der Kirche, die Brunnen am Kriegerdenkmal und vor Schloss Oberhausen und die beiden Brunnen am Maisweg.

Fischbrunnen im Kurgarten hinter dem Rathaus

Das Fischmotiv für den Brunnen stellt eine Verbindung zum Kloster St. Zeno her, der vormaligen Grundherrschaft, wie es auch im Gemeindewappen zum Ausdruck kommt. Der Brunnen besteht aus einem mit einer Umfassung versehenen Wasserbecken von ca. 5 m Durchmesser mit einer Fischskulptur in der Mitte. Die Brunneneinfassung ist aus heimischer Gesteinsart, im GR-Protokoll als “Zillerstein“ bezeichnet (die Bezeichnung „Zillerstein“ gibt Rätsel auf, denn eine solche Gesteinsartgibt es nicht, mag sein, dass die Bezeichnung auf den bekannten Salzburger Steinmetzbetrieb Zillner zurückgeht, der aber die Steine nur geliefert haben kann, denn die Steinmetzarbeiten wurden nach der Erinnerung des planenden Landschaftsarchitekten A. Burkhardt von einem Berchtesgadener Steinmetzbetrieb ausgeführt); der Brunnenboden besteht aus Kieselflusssteinen. In der Mitte bildet ein Findling den Sockel für die Fischfigur. Diese, eine ca. 1.60 m hohe Fischskulptur, um umgeben von drei kleineren Fischfiguren, drückt das dem Motiv des Brunnens aus. Der Schöpfer der Skulptur ist in den Unterlagen nicht vermerkt. Der Brunnen wurde Anfang der 90-er Jahre mit der Neuanlage des Kurgartens von der Gemeinde erstellt, 1997 wurde er im Zuge der Erweiterung des Kurgartens saniert und am 01.04.1997 an die Kur GmbH übergeben.

Zwei Brunnen am Bahnhofsvorplatz Obere Bahnhofstraße

Die beiden Brunnen wurden im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes Ende 1979 angelegt. Die Neugestaltung wurde 1978 ins Programm als Bauvorhaben aufgenommen (RT, 02.08.1978), der Bau erfolgte 1979, die Fertigstellung wird am 09.01.1980 gemeldet. Planender Architekt war das Ingenieurbüro Rettenmoser aus Bayerisch Gmain. Der Brunnen wird in der Pressemeldung zur Einweihung des Bahnhofsvorplatzes nur nebenbei erwähnt („in der Mittelinsel ist ein Bauwerk mit Sitzmulde und Brunnen integriert“). Erstaunlicherweise befinden sich beide Brunnen noch heute auf Bahngrund. Es ist anzunehmen, dass die Bahn damals den Grund neben dem Empfangsgebäude (heute Pizzeria da Mario) der Gemeinde zur Nutzung überlassen hat, die dort die beiden Brunnen errichtet hat.Der Brunnen in der Mittelinsel am Bahnhofsvorplatz besteht aus einem betonierten Rondell mit ca. 3 m Durchmesser, mit Sitzbänken auf der Umrandung, auf der Ostseite des Rondells befindet sich der Brunnen mit einer dreistufigen Kaskade.

Brunnen vor dem Bahnhof, Obere Bahnhofstraße

Wasserbassin auf Betonsockel, auf der Umrandung Holzbalken als Sitzbänke. In der Mitte zylinderförmiger Marmorblock mit obenliegendem Wasserauslass. Die runde Säule aus Porphyr, ca. 1,10 m hoch, Durchmesser ca. 0,80 m, ist von einem sechseckigen Becken mit ca. 3,40 m Durchmesser mit Holzsitzbänken eingefasst.

Brunnen am Grenzübergang, Großgmainer-/Weißbachstraße

Der Brunnen besteht aus einer Kugel auf einem runden Sockel aus Sedimentgestein und einem das Becken mit ca. 1.45 m Durchmesser und ca. 0,55 m Höhe, rundherum sind fünf runde Hocker aufgestellt, ebenfalls aus Gestein, eingefasst von Blumenrabatten. Der Brunnen wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau der Weißbachstraße 1987 aufgestellt. In der Pressemeldung vom 12./13.10.1987 wird der Brunnen nur nebenbei erwähnt („Anstelle der früheren Zollbaracke wurde eine Brunnenanlage errichtet“).Die wasserspendende Kugel am Brunnen am Grenzübergang.

Brunnen und Statue des Hl. Franziskus, Reichenhaller Straße, vor der Kirche

Der Franziskus-Brunnen steht auf dem Vorplatz der Kirche, zwischen Kirche und Pfarrhaus. Er wurde vom Berchtesgadener Bildhauer Hans Richter geschaffen und im August 1968 im Auftrag von Pfarrer Max Preisinger aufgestellt. Warum hier eine Statue des Hl. Franziskus gewählt wurde, und nicht eine Statue des Hl. Nikolaus v.d.Flüe, was eigentlich nahegelegen hätte, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Quelle: Archiv der Pfarrei

Brunnen am Kriegerdenkmal

Ein Vorgängerbrunnen aus Holz wurde 1954/1956 aus Anlass der letzten Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft vor dem Schulhaus aufgestellt. Nachdem er dem Straßenbau weichen musste, wurde er 2007 an den jetzigen Standort am Kriegerdenkmal verlegt. Da der Holzbrunnen anfällig für Witterungseinflüsse war, wurde er 2013 durch einen Brunnentrog aus Granit ersetzt. (Quelle Infotafel an der Kapelle, Ernst Reisbacher).

Brunnen vor Schloss Oberhausen

Der Brunnen stammt natürlich nicht aus der Zeit des Baus des Schlosses (1567). Wahrscheinlich wurde er in den 1970-er Jahren anstelle eines früheren Brunnens aus Holz errichtet.

Brunnen vor dem Seniorenheim, Maisstraße

Brunnen vor dem Seniorenheim „Domus mea“ in der Maisstraße. Wurde wohl zeitgleich mit dem Heim 2000 errichtet. Wegen Eigentümer- und Betreiber-Wechsel sind nähere Angaben leider nicht mehr zu erfragen.

Brunnen im Bergfriedhof, Friedhofstraße

Nachdem in Bayerisch Gmain mit der Gründung der Pfarrei (1957) nicht gleichzeitig ein Friedhof angelegt wurde, wurde in den 60-er Jahren die Errichtung eigenen Friedhofs in Angriff genommen. Es fand sich ein geeigneter Platz am Berghang oberhalb der Straße nach Berchtesgaden, das Grundstück wurde von der Forstverwaltung zur Verfügung gestellt und dort wurde 1963 der neue Friedhof als Bergfriedhof angelegt. Gleichzeitig wurde auch die Friedhofskapelle errichtet. Der große Brunnen folgte erst 10 Jahre später, 1973. Er besteht aus einem runden Becken mit 2,8 m Durchmesser, eingefasst von einer 60 cm hohen Mauer aus Naturstein. In der Mitte erhebt sich ein ca. 1,80 hohe runde Säule, die von einem Kapitell gekrönt wird. Da der Naturstein der Umrandung schadhaft geworden war, wurde die Umrandungsmauer vor einigen Jahren mit fünf Kupferblechplatten verkleidet. Wer den Brunnen erschaffen und gebaut hat, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Im GR-Protokoll vom 24.09.1969 ist erwähnt, dass die Kosten auf 5.200 DM geschätzt wurden und die Finanzierung hauptsächlich aus Spenden erfolgen soll. Wenn wir schon da sind, werfen wir noch einen Blick aus die Friedhofskapelle (im Bild auf dem Hintergrund). Das interessante daran ist der auf der Frontwand gemalte Totentanz, der vom Kirchenmaler Georg Gschwendtner 1969 gemalt wurde. interessant deshalb, weil es diese Art von Darstellung in unserer Gegend nicht gibt.

Brunnen am Maisrundweg, etwa auf halber Stecke des oberen Maisrundweg

Dieser Brunnen stand schon längere Zeit an diesem Platz und dient den vorbeikommenden Wanderern zur Erfrischung und zum Rasten, wozu auch Bänke und als Besonderheit Liegen aus Holz aufgestellt sind. Gespeist wird der Brunnen von einer Quelle aus dem nahelegenden Berghang. 2011wurde der Brunnentrog erneuert.

Wasserrinnen-Brunnen am Maisweg

Man kann natürlich darüber streiten, ob hier die Bezeichnung als „Brunnen“ gerechtfertigt ist. Wir halten uns an die eingangs angeführte Definition: Auffangbecken für Wasser. Dieser Brunnen, von der Kur GmbH wegen seiner Gestaltung – nicht zu Unrecht – als Wasserrinnen bezeichnet, ist die erste Station des Wald-Idyll-Pfads am oberen Maisrundweg, der 2011 von der Kur GmbH zusammen mit der Gemeinde Bayerisch Gmain angelegt wurde. Das Wasser fließt von der Maisquelle am Berghang über mehrere in Stufen angelegte Rinnen zum hölzernen Brunnentrog herab. Im vorigen Jahr, also 2020, wurden die alten Rinnen und der Trog erneuert. Neben der Anlage befindet sich auch die erste Informationstafel des Wald-Idyll-Pfads.

Bearbeitung: Franz Sicklinger