Burg Amerang (Bad Reichenhall)

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Mauerwerk an der Südseite
Plan

Der Burgstall Amerang wurde auf einer Felsnadel südlich gegenüber der Burg Karlstein jenseits der im Tal zwischen den Burgen verlaufenden Straße von Reichenhall in den Pinzgau errichtet.

Geschichte

Obwohl die nördlich gelegene Burg Karlstein wohl auf Salzburger Kirchengrund - vom Salzburger Erzbischof als Lehensherr zur Verfügung gestellt - entstand und das vom Erzbischof eingesetzte und dort residierende Geschlecht der Peilsteiner zunächst die Interessen des Erzbischofs im Reichenhaller Raum vertreten sollte, wird die Burg Amerang vom Erzbischof als Gegenburg zur Burg Karlstein errichtet. Als Grund für diese Entwicklung kann ein Zerwürfnis zwischen dem Erzbischof und den Peilsteinern vermutet werden, das aus dem Konflikt des Erzbischofs mit dem Kaiser resultieren dürfte, in dem sich die Peilsteiner der Seite des Kaisers zuwandten. Mit dem Bau von Amerang - einer schwer versorgbaren und in schwierigem Gelände angelegten Burg - sollte offensichtlich die weiter bestehende Macht des Erzbischofs im Umfeld von Reichenhall symbolisiert und demonstriert werden.

Wie andere Salzburger Burgen wurde sie anscheinend während des Burgenkrieges mit dem Salzburger Erzbischof durch den Bayernherzog Heinrich XIII im Jahr 1262 zerstört. Funde wie verformte Pfeilspitzen und Armbrustbolzen deuten auf entsprechende Kampfhandlungen hin.

Beschreibung

Die Burg war mit einer durchschnittlich 1,10 m starken Ringmauer befestigt, deren Verlauf die Gegebenheiten im Gelände der teilweise stark abfallenden und überhängenden Felsnadel nutzte. Der Eingang zur Burg lag im Westen, wie ein teilweise in den Felsen eingearbeitetes Portal, das möglicherweise durch einen Torgraben zusätzlich geschützt war, erkennen lässt. Im Innenbereich waren die Einbauten auf zwei Geländeebenen angeordnet, deren höher liegender Teil durch weitere Terrassierungen zusätzlich gegliedert war.

Im Nordwesten des Burgareals konnte eine teilweise aus dem Felsen geschlagene und hangabwärts über eine Lehmschicht abgedichtete Speicherzisterne aufgefunden werden, die wohl eine Versorgung mit Wasser sicherstellen sollte.

Bemerkenswert ist der schwierige Zugang zur Burg über einen langen Weg, dessen Verlauf im Wald von der Straße im Nordosten bis zur Anhöhe noch erkennbar ist und der möglicherweise durch zusätzliche Holzkonstruktionen im Felsen ergänzt worden war. Dieser problematische Zugang lässt vor allem im Winter und bei extremen Wetterbedingungen eine durchgehende Belegung der Burg unwahrscheinlich erscheinen. Fraglich ist auch, ob die Burg jemals ganz fertiggestellt wurde.

Da ein Wirtschaftshof in unmittelbarer Nähe fehlt, kann eine Versorgung der Burg - wie auch für die Burg Vager zu vermuten - durch das Kugelbachgut angenommen werden.

Literatur

Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009

Johannes Lang: Reichenhaller Burgenweg, Führer zu den Burgen und Schlössern in Reichenhaller Raum, Bad Reichenhall 2004

Bearbeitung: Herbert Hofmann