Fürschlacht

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Das Geisterhäusl an der Fürschlacht
Schleuse zwischen Fürschlacht und Hammergrund

Die Fürschlacht in Bad Reichenhall war ein Teil der Triftanlagen, die zur Versorgung der Saline mit Brennholz dienten.

Eine Schlacht (auch Verschlagung, Beschlacht, Bschlacht, Mehrzahl: Bschlächte) ist im Allgemeinen ein Schutzbau an Ufern, aber auch an Brückenpfeilern. Eine hölzerne Einfassung von Brunnen nannte man Schlacht, Geschlacht. Durch eingeschlagene Pfähle ist die Konstruktion im Boden verankert; beschlächten: mit Pfählen verdämmen, mit Brettern einfassen. Johann Andreas Schmeller schreibt in seinem Bayerischen Wörterbuch (1837): „Die Schlacht: Uferbefestigung, Wasserdamm, aus Pfählen gebaut, die mit Hülfe der Ramme oder des Zugschlägels eingeschlagen werden.“ Die Bezeichnung geht also auf das Einschlagen der Pfähle zurück.

In Reichenhall war die Fürschlacht (Vorschlacht – vor den Holzgärten gelegen) ein künstlich geschaffener Weiher, dessen umlaufender und bis zu drei Meter hoher Erdwall auf der Innenseite durch Holzpfähle geschützt war. Sie dürfte spätestens zur Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet worden sein, als die Triftanlagen ihre größte Ausdehnung erreicht hatten. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurden die Triftanlagen erneuert. Dabei ersetzte man die Holzkonstruktion der Fürschlacht durch eine Mauer aus Steinquadern. An der Nordwestseite wurde 1791 das so genannte Geisterhäusl als Unterkunft für die Triftknechte erbaut.

Vom Triftkanal gelangten die Blöcher (ca. 90 cm lange Holzstämme) auf dem Wasser treibend in die Fürschlacht. Dort konnte das Holz vorsortiert und durch Schleusen in die tiefer liegenden „Holzgärten“ verteilt werden. Die Fürschlacht umfasste eine Fläche von etwa 38.000 qm. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verringerte sich die Bedeutung der Triftanlagen, da die Saline zunehmend Torf und Kohle als Brennmaterial verwendete. Ab 1852 baute man zwei „Salinenstadel“ zur Lagerung von Holz und anderen Materialien im südlichen Teil der Fürschlacht, die dabei auf ca. 23.000 qm verkleinert wurde. Mit dem Bau des Saalachstaudamms (1913) wurde die Holztrift gänzlich eingestellt.

In den Jahren 1925/1926 wurden die Salinenstadel zum Teil umgebaut und in die Anlage der Neuen Saline integriert. Die Fläche der ursprünglichen Fürschlacht entspricht in etwa dem Betriebsgelände der heutigen Neuen Saline. Am Holzfeldweg haben sich der Damm mit vorgesetzter Mauer sowie zwei Schleusen erhalten. Am Fürschlachtweg befinden sich der Damm mit Quadermauer, eine Doppelschleuse und das Geisterhäusl.


Quellen:

Generaldirektion d. Staatlichen Archive Bayerns (Hg.): Altbayerische Flusslandschaften an Donau, Lech, Isar und Inn, Handgezeichnete Karten des 16. bis 18. Jahrhunderts, 1998

Fritz Hofmann: Reichenhaller Salzbibliothek, 1995. Band III, S. 175

Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009. S. 271-280

Bearbeitung: Andreas Hirsch