Großgmain

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Die Plainburg von Südosten
Gmain und der Untersberg, Stahlstich um 1850
Hotel Vötterl und Pfarrkirche Großgmain um 1928

„Auf der Gmain“ ist eine jahrhundertelang gebrauchte Bezeichnung für den Siedlungsraum zwischen Untersberg und Lattengebirge, Hallthurm und Kirchholz. Auch nach der Entstehung einer Landesgrenze an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert wurde der Begriff weiterhin benutzt, ehe sich seit Beginn des 18. Jahrhunderts in den schriftlichen Quellen zusehends die Bezeichnungen „große Gmain“ (für Großgmain) und „bayerische Gmain“ (für Bayerisch Gmain) durchsetzten. Im Zuge des Aufstiegs Reichenhalls zum Heilbad ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Großgmain mehrere Villen, Hotels und Sanatorien. Heute gilt Großgmain als beliebter Wohnort im Grünen, nahe der Stadt Salzburg.

Aus der Mittleren Bronzezeit datieren die ersten menschlichen Siedlungsreste auf Großgmainer Boden: Auf österreichischem Boden liegend, aber zum Marzoller Siedlungsraum gehörend, entdeckte man 2009 im Bereich des heutigen Gewerbegebiets an der Landesgrenze zu Bayern ein Einzelgrab aus der beginnenden Mittleren Bronzezeit. Hinzu kommen weitere Siedlungshinweise aus der Urnenfelderzeit sowie aus der Latènezeit, außerdem einzelne Lesefunde. Mit dem Einsetzen der Schriftlichkeit im frühen Mittelalter findet der Siedlungsraum als „Mona“, „Muen“ bzw. „Muon“ in den Salzburger Güterverzeichnissen des ausgehenden 8. Jahrhunderts Erwähung. Gemeinsam mit dem Bereich des heutigen Bayerisch Gmain wurde „Mona“ bis weit in das 18. Jahrhundert herauf als eine topographisch und siedlungsgeographisch zusammengehörige Einheit zwischen Untersberg und Lattengebirge, Hallthurm und Kirchholz, Walserberg und Streitbichl betrachtet. Der vermutlich vorrömische Name „Mona“, der möglicherweise als Pendant zur westlich davon gelegenen Anhöhe von Nonn – Ersterwähnung: „Nona“ – soviel wie „hier“ und „dort“ bzw. „hüben“ und „drüben“ bedeutete, wurde im Verlaufe des Spätmittelalters über „Mùn“ zu „Gmain“ verschliffen, wobei die Bezeichnung „Auf der Gmain“ üblich wurde. Eine Befestigungsanlage auf dem Randersberg kann mangels archäologischer Befundung bislang nicht abschließend datiert werden, könnte dem 10. Jh. (Ungarnkriege) oder der prähistorischen Epoche zugeordnet werden.

Im Hochmittelalter lag die heutige Großgmainer Gemeindefläche im Gebiet des Oberen Salzburggaus, der ab dem beginnenden 12. Jahrhundert von den Grafen von Plain verwaltet wurde. Herrschaftsmittelpunkt war die auf dem heutigen Gemeindegebiet errichtete Plainburg; das seelsorgliche Zentrum bildete die Marienkirche, die als Filialkirche des Augustiner-Chorherrenstifts St. Zeno durch einen Chorherren täglich vom Kloster aus betreut wurde und im Verlaufe des 15. Jahrhunderts zu einer überregional bedeutsamen Wallfahrtskirche avancierte. Nach dem Aussterben der Grafen von Plain im Mannesstamm und der weitgehenden Übernahme der Plain’schen Herrschaft durch den Salzburger Erzbischof war das Gebiet des heutigen Großgmain in der Zeit von 1260 bis 1295 zunächst strittig zwischen dem Erzbischof, dem Herzog von Bayern sowie dem Grafen von Görz-Tirol. Erst nachdem letzterer seinen erbrechtlichen Anspruch auf die Plainburg wie auch die umgebenden Gebiete aufgegeben hatte, kristallisierte sich der Weißbach als Grenze der künftigen Territorien des Herzogs von Bayern wie auch des Salzburger Metropoliten heraus. Fortan gehörte das Gebiet der heutigen Gemeinde Großgmain zum salzburgischen Pfleggericht Plain mit Sitz auf der Plainburg. Im Zuge einer Verwaltungsreform 1594 wurden die Pfleggerichte Plain und Staufeneck vereinigt, wobei der Amtssitz auf Burg Staufeneck bleib. Die Plainburg, 1674 letztmalig in Stadt gesetzt, verfiel seither zur Ruine.

Während die bayerische Gmain fast zur Gänze aus Bauerngehöften bestand, entstand auf der salzburgischen Seite der Gmain rund um das Goteshaus ein dörfliches Gewerbe, bestehend aus zwei Wirtshäusern, einem Bäcker, einem Metzger sowie einem Schuhmacher. Die Siedlungsfläche der salzburgischen Gmain war aufgeteilt auf die vier Viertel „Schwaig“, „Hinterreith“, „Tannerwinkel“ und „Kirchenviertel“. Grundherrlich war die Mehrheit der Bauerngehöfte dem Salzburger Erzbischof (sog. Hofurbar) unterworfen; die zweitgrößte Grundherrschaft bildete das Salzburger Domkapitel. Nach der Säkularisation des Stifts St. Zeno 1803 wurde das Gotteshaus von Großgmain 1807 zur selbstständigen Pfarrei erhob en. Nachdem in Folge der Napoleonischen Kriege Salzburg 1810 an Bayern gelangt und die gesamte Gmain damit bayerisch geworden war, erfolgte 1811 eine kurzzeitige politische Vereinigung der Gmain, die bis 1816, bis zum abermaligen Übergang Salzburgs an Österreich, andauerte. Nach Aufhebung der Grundherrschaft und dem allgemeinen Erlass des provisorischen Gemeindegesetzes 1849 galt Großgmain ab dem 1. Juli 1850 als politische Gemeinde, die dem Bezirksgericht Salzburg unterstellt war. Im Rahmen eines Gebietstausches erfolgte 1851 die Abtretung des so genannten „Hallthurm-“ oder „Rotfenspitzes“, eines bis dahin österreichischen Gebietsstreifens am östlichen Lattengebirge, an Bayern.

Wirtschaftlich profitierte Großgmain seit dem Jahre 1846 (Eröffnung des Axelmannstein) von dem sich dynamisch entwickelnden Kurtourismus in Reichenhall. Während Großgmain zunächst nur ein beliebtes Ziel von Spaziergängen darstellte, errichtete man im ausgehenden 19. Jahrhundert erste Villengebäude. In den Jahren 1903/08 entstand für Karl Graf v. Schlieffen das „Schloss Schlieffen“, das aus einer Villa hervorgegangen war. Mit einem Schwimmbad ausgestattet war die benachbarte Villa des Robert von Pattai, der diese in den Monaten von Mai bis Oktober bewohnte. Ab den 1880er Jahren erhielt Großgmain als eine starke touristische Prägung; 1894 erfolgte die Gründung eines „Verschönerungsvereins“, womit gezielte Marketingmaßnahmen für den Ort einhergingen. Als größerer Gewerbebetrieb etablierte sich ab den 1860er Jahren im so genannten Leopoldstal eine Zementfabrik, die vorerst auf der österreichischen Seite des Weißbaches errichtet worden war, sich ab 1896 vor allem aber auf die bayerische Seite hin ausdehnte, 1909 jedoch schon wieder schließen musste.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs brach im benachbarten Bad Reichenhall die bis dahin überwiegend vertretene finanzkräftige aristokratische und großbürgerliche Gästeklientel weg, was sich auf die touristische Ausrichtung Großgmains auswirkte. Nachdem der Metzgerwirt bereits um die Jahrhundertwende zu einem Hotel im Schweizerstil umgebaut worden war, folgte 1928/29 dessen ambitionierte Vergrößerung zum sechsgeschossigen „Hotel Vötterl“, das in dieser Form das Ortsbild über Jahrzehnte prägte. Ebenfalls 1929 entstand das gemeindliche Freibad, das in veränderter baulischer Form noch heute besteht.

Sowohl die „Hundert-“ als auch die „Tausend-Mark-Sperre“ wirkten sich auf Großgmain, dessen wichtigste Gästeklientel aus Deutschland stammte, wirtschaftlich verheerend aus. Nach dem so genannten „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 wurde Großgmain überraschenderweise nicht mit Bayerisch Gmain gemeindlich vereinigt, sondern in seiner Eigenständigkeit belassen. Für den „Sicherungsraum Bad Reichenhall“ entstanden im Laufe des Jahres 1944 Artilleriestellungen und Schützengräben, die allerdings nicht mehr bezogen wurden.

In den Jahren von 1946 bis 1954 wurde der Großgmainer / Bayerisch Gmainer Grenzraum zu einem Brennpunkt des internationalen Schmuggels mit Zigaretten und Kaffee. Die Nachkriegsjahrzehnte waren dem Ausbau der Infrastruktur, der Schaffung neuer Ortsteile sowie der Stärkung des kurtouristischen Angebots gewidmet, zumal Großgmain mit den Prädikaten „Luft-“ und „Kneippkurort“ warb. Dazu zählte die Errichtung einer Kneipp-Kuranstalt sowie eines Sanatoriums; hinzu kamen zahlreiche Gasthöfe und Hotels. In den 1970er Jahren erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Grundbesitzer Friedrich Mayr-Melnhof die Umsetzung eines Tourismus- und Naherholungskonzeptes am Fuße des Untersberges, bestehend aus Gastronomien, Themenwegen, Spiel- und Kneippanlagen sowie eines Freilichtmuseums, das 1984 eröffnet werden konnte und als „Salzburger Freilichtmusum“ heute überregionale Bekanntheit besitzt. 1985 wurde das Rehabilitationszentrum der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten fertig gestellt. Mit der Nachbargemeinde Bayerisch Gmain kam es zu einer engeren grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bei unterschiedlichen Projekten, so etwa bei der gemeindlichen Kläranlage, der Sportanlage „Gmoa-Arena“ sowie der gemeinsam herausgegebenen Ortschronik „Auf der Gmain“. Die touristische Bedeutung Großgmains, die noch in den 1980er Jahren sehr hoch war, ist mittlerweile deutlich zurückgegangen. Das Dorf gilt heute als ein beliebter Wohnort im Grünen, nahe der Stadt Salzburg.

Literatur:

Karina Grömer / Peter Höglinger: Bronzezeitlicher Grabfund mit organischen Resten aus Großgmain, in: Archäologie Österreichs 21/2, 2010

Albin Kühnel / Johannes Lang: Halt Zoll! Der Schmuggel zwischen Salzburg und Bayern 1946–1954, Bad Reichenhall 2010

Johannes Lang / Max Schneider: Auf der Gmain. Chronik der Gemeinden Bayerisch Gmain und Großgmain, Bayerisch Gmain / Großgmain 1995

Raiffeisenkasse Großgmain (Hg.), 100 Jahre Raiffeisenkasse Großgmain. 1912 – 2012, Großgmain 2012

Bearbeitung: Johannes Lang