Nasse Grenze (Weißbach)

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Die Gmain auf einer Karte des Landgerichts Reichenhall von 1670. Der Weißbach ist als Landesgrenze gekennzeichnet, auf bayerischer Seite sind das Schloss Oberhausen, unten die Strohmühle und rechts der Streitbichl zu erkennen.

Als Nasse Grenze wird eine Grenze in der Mitte eines Fluss- oder Bachlaufs bezeichnet.

Der Ort Gmain lag im Territorium der Grafen von Plain, die ihren Sitz seit etwa 1100 auf der Plainburg hatten. Nach dem Aussterben der Plainer 1260 fielen deren Besitzungen größtenteils an die Salzburger Erzbischöfe, was im Zweiten Erhartinger Vertrag von 1275 festgeschrieben wurde. Das ehemals plainische Gebiet samt der Plainburg zwischen dem Krüzersberg bei Fürstenbrunn und dem Streitbichl über Reichenhall allerdings war noch einige Jahre umstritten. Neben dem Erzbischof und dem Herzog erhoben Verwandte der Plainer ebenso Anspruch darauf, wie Albert II. Graf von Görz-Tirol. Im Jahre 1295 konnte Erzbischof Konrad IV. das Gebiet östlich des Weißbachs mit der Plainburg an sich bringen. Der Bayernherzog eignete sich daraufhin den Bereich von dem Straelpuehel untz in den Weizenpach an. Von da an bildete der Weißbach die Grenze zwischen den Territorien des Herzogs und des Erzbischofs und teilte damit die Gmain in eine salzburgische (Großgmain) und eine bayerische Hälfte. Seither gibt es die „bayerische Gmain“ als Gegenstück zur salzburgisch gewordenen. Aber nur in wenigen Fällen, wenn es genau sein musste, wird diese Bezeichnung auch verwendet worden sein, denn die Bevölkerung beiderseits der Grenze gehörte nach wie vor der Pfarrei Maria Himmelfahrt in (Groß-) Gmain an und fühlte sich dadurch weiterhin als eine Einheit.

Das Land Salzburg fiel 1810 an das Königreich Bayern. Im Zuge einer Verwaltungsreform wurden die salzburgische und die bayerische Gmain 1811 zu einem Ort zusammengelegt, der zum Landgericht Reichenhall gehörte. Als das Land Salzburg 1816 an Österreich gefallen war, trennte man die Ortsteile voneinander. Der Weißbach bildete wieder die Landesgrenze. Die bayerische Gmain wurde von der Pfarrei Gmain (Großgmain), getrennt, zu der sie Jahrhunderte lang gehört hatte und nach St. Zeno eingepfarrt. Die bayerische Gemeinde Gmain wurde 1926 offiziell in „Bayerisch Gmain“ umbenannt.

Siehe auch: Spitz am Hallthurm und Nasse Grenze (Saalach)

Literatur

Johannes Lang, Max Schneider: Auf der Gmain, Chronik der Gemeinden Bayerisch Gmain und Großgmain, 1995

Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009, S. 190,191, 859 (Anm. 70)


Bearbeitung: Andreas Hirsch