Obere Burg (Salzburg)

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Die Obere Burg auf dem Festungsberg in Salzburg das „Castrum superius“, war eine Residenz der bayerischen Herzöge (Agilolfinger) im frühen Mittelalter und ein Vorgängerbau der Festung Hohensalzburg. Zusammen mit dem Reichenhaller Salz wurde die Obere Burg namengebend für die Stadt und das Land Salzburg.


Der sogenannte „Bergspitz“ ist die höchste Stelle des Festungsberges, dessen Fels hier ein natürliches flaches Plateau bildet. Dort traten bei archäologischen Kampagnen seit den 1990er Jahren in Zuge von Umbauten in der Festung Hohensalzburg bedeutsame Funde zutage. Unter anderem kamen unter einer umgestürzten Bruchsteinmauer der Spätantike römische Funde zum Vorschein, die aus der Zeit des Kaisers Valentinian I. (369-375) stammen.

Durch weitere archäologische Untersuchungen ist nachgewiesen, dass der Festungsberg seit der Jungsteinzeit (4. Jahrtausend vor Christus) besiedelt war. Er bot größere Sicherheit als die versumpften und von Überschwemmungen bedrohten Niederungen entlang der Salzach. Einem römischen Bau folgte im 4. Jh. n. Chr. ein Wehrturm (Burgus). Im Gegensatz zur Talsiedlung war auf der höher gelegenen Nonnbergterrasse und auf dem Festungsberg eine echte Kontinuität von der Spätantike zum frühen Mittelalter gegeben.

Bei der Ankunft Ruperts in Salzburg um 696 residierte Herzog Theodbert († um 716), der älteste Sohn und Mitregent von Herzog Theodo II., in der Oberen Burg auf dem Festungsberg über der alten Römerstadt Iuvavum. Die Burg bildete den Mittelpunkt eines Wehrsystems, das in seinen Ursprüngen noch in die Spätantike zurückreichte und von den bayerischen Herzögen übernommen und erneuert wurde.

In der Stadt hatten sich im 7. Jahrhundert bayerische Siedler niedergelassen, wie Gräber am Kapitelplatz und am Domplatz belegen. An Rupert wurde ein Teil der Stadt übertragen. Dort gründete er im Bereich des Doms das Kloster St. Peter, das nach der Trennung von Kloster und Erzbistum im Jahr 987 an den heutigen Platz verlegt wurde.

Zwischen 712 und 715 errichtete man ein herzogliches Frauenkloster (Nonnberg) auf dem östlichen Ausläufer des Festungsberges, dem heutigen Nonnberg, unterhalb der Oberen Burg. Das Kloster war in deren äußere Befestigungsanlage integriert und damit Bestandteil der Burg. Auch Theodberts Sohn Herzog Hugbert († 736) residierte auf der Oberen Burg. Später – möglicherweise in der Regierungszeit von Hugberts Nachfolger Herzog Odilo († 748) - verlegte man den Herzogssitz in die Stadt. Der Herzogshof („curtis publico“) lag wohl im Bereich des Waagplatzes und der Michaelskirche. Wenige Monate vor seinem Sturz 788 stellte Herzog Tassilo III. dort eine Urkunde aus. Diese „Pfalz“ wurde dann vom fränkischen König (Karl der Große) übernommen.

Der Festungsberg trat erst wieder um 1070 in Erscheinung, als Erzbischof Gebhard (1010-1088) dort mit dem Bau einer Burg begann, die unter Konrad I. um 1110 vollendet wurde und heute Festung Hohensalzburg genannt wird.


Quellen:

Heinz Dopsch, Der heilige Rupert in Salzburg – Vor 1300 Jahren kam der „Gründerheilige“ aus Worms am Rhein, in: Hl. Rupert von Salzburg 696-1996, Katalog zur Ausstellung im Dommuseum u. d. Erzabtei St. Peter, Salzburg 1996, S. 66-67

Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger, Geschichte Salzburgs, Band I/1, Salzburg 1999, S. 121-135

Wilfried Kovacsovics, Salzburg im Frühmittelalter. Zur Frühzeit der Stadt aus archäologischer Sicht, in: S. Felgenhauer-Schmiedt, A. Eibner, H. Knittler (Hg.), Zwischen Römersiedlung und mittelalterlicher Stadt – Archäologische Aspekte zur Kontinuitätsfrage. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 17 (2001), S. 91-102

Heinz Dopsch, Robert Hoffmann, Salzburg – Die Geschichte einer Stadt, Salzburg 2008, S. 86, 89

Wilfried Kovacsovics, Baugeschichte im Überblick, in: Festung Hohensalzburg, Führer 2012 (Hg.: Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung), S. 36, 44-45

Heinz Dopsch, Kleine Geschichte Salzburgs, Salzburg 2014, S. 27-28

Link:

https://www.sn.at/salzburg/kultur/salzburger-festung-aufregende-funde-erzaehlen-von-der-macht-17463826

Bearbeitung: Andreas Hirsch