Ortsnamen mit Hall (Etymologie)

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Ortsnamen mit Hall lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die weitaus größere und auch ältere Gruppe liegt nördlich des Mains mit dem Schwerpunkt in Westfalen, die andere im Bereich der Ostalpen. Lediglich Schwäbisch Hall, zwischen Nürnberg und Stuttgart, befindet sich abseits der gehäuften Vorkommen.

Verteilung von Halle- und Hall-Ortsnamen nach Jürgen Udolph (Karte Valentin Hirsch)

Hall (Abhang)

Die norddeutschen Hall-Namen haben mit Ausnahme von Halle an der Saale keinen Bezug zu Salz. Sie leiten sich nämlich meistens von germanisch Hal(l), was Abhang, Schräge bedeutet, ab. Im Wort „Halde“ lässt sich dies noch heute erkennen. Beispiele dafür finden sich auch im Süden z. B. mit Hallertau: hall-hart-au = Hang-Wald-Au oder sogar mit verdoppelter Bedeutung in Hallwang: hall (Abhang), wang (Wiesenhang) bei Salzburg.

Hall (Saline)

Die Gruppe der Hall-Namen von Salinenorten bezieht sich auf das aus dem Germanischen stammende hal(l), was Saline bedeutet. Dazu gehören Reichenhall (Ersterwähnung 696), Schwäbisch Hall (11. Jh.), Hall bei Admont (um 1100), Bad Hall in Oberösterreich (1140), Hallein (1190), Hall in Tirol (1232) und Hallstatt (1311). Ein Sonderfall ist Halle an der Saale (806), für dessen Namen beide Bedeutungen – Abhang und Saline – in Betracht kommen.

Ursprung und Verbreitung von Hall (Saline)

Die Herkunft des Wortes „Hall“ in der Bedeutung „Saline“ ist noch nicht hinreichend geklärt. Es könnte in dem enorm wichtigen und früh erwähnten Salzproduktionsort Halle an der Saale zu einem Bedeutungswechsel des Wortes „Hall“ von „Abhang“ zu „Saline“ gekommen sein. Durch Elbgermanen könnte im Zug der bajuwarischen Stammesbildung der Name „Hall“ mit dieser verwandelten Bedeutung nach Süden gelangt, und in Salinas (Reichenhall) zum ersten Mal als Benennung für einen Salzerzeugungsort angewendet worden sein. Denn Reichenhall ist die älteste Saline und der frühest erwähnte Ort mit einem Hall-Namen im Alpenraum, wie sich aus den urkundlichen Erstnennungen ersehen lässt. Alle anderen Hall-Orte im Süden sind später nach dem Vorbild des bis um 1200 konkurrenzlosen Monopolisten Hall (Reichenhall) benannt worden. Dieses so genannte Appellativum ist vergleichbar mit dem belgischen Kurort Spa, der so bekannt war, dass er im Englischen zum Synonym für „Kurort“ wurde.

Hallein

Seit 1210 ist für den zuvor „Mühlbach“ genannten Ort die Bezeichnung „Hallinum, Hällein, Hallein“ belegt, was „kleines Hall“ bedeutet. In Urkunden war häufig „maior“ (groß) zu Reichenhall gestellt, wenn dieses und Hallein zusammen genannt wurden. In einer 1273 von Papst Gregor X. für das Stift Nonnberg ausgestellten Urkunde heißt es salina minor [Hallein], salina maior que Halle dicitur [Reichenhall]. Allerdings hat Hallein mit seiner Salzproduktion bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Reichenhall bei weitem überflügelt. Daher könnte es sich bei „Hallein“ auch um eine Art Koseform handeln, die mit dem von der Salzburger Kirche verwendeten Ausdruck „nostra salina“ – „unsere Saline“ vergleichbar ist. Möglich wäre auch eine Benennung etwa im Sinne von „junges Hall“ durch Salinen-Fachkräfte, die aus dem 1196 zerstörten Reichenhall kamen. Unter anderem hatten diese die Bezeichnung der erzbischöflichen Amtsleute, die „Hallinger“, aber auch Flurnamen, wie etwa „Urbais“ oder „Hosewasch“ aus Reichenhall nach Hallein mitgenommen.

Reichenhall

Ab Mitte des 12. Jahrhunderts begegnet zeitweise die Bezeichnung „Paierhalle“ (bayerisches Hall), welches in erster Linie außerhalb Bayerns verwendet wurde. Nachdem Hallein die Marktführerschaft im Salzhandel übernommen hatte und weitere Produzenten auf den Markt drängten, versuchte sich Hall Anfang des 14. Jahrhunderts mit der Einführung des Namenszusatzes „reich“ („das reiche Hall“) davon abzusetzen. Erstnennung 1323 als Reychen Halle.

Bad Reichenhall

In einer medizinischen Fachzeitung vom 30. Juni 1855 tauchte erstmals die Bezeichnung „Soolbad Reichenhall“ für die international bekannte Kurstadt auf. Seit 1858 wurde der Name „Bad Reichenhall“ verstärkt gebraucht und geläufig. 1889 wandte sich die Stadt an die königliche Regierung von Oberbayern, um die Erlaubnis, den Namen „Bad Reichenhall“ führen zu dürfen. Am 7. Juni 1890 wurde das Gesuch vom Innenministerium bewilligt.

Literatur

Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009. S. 145, 159

Johannes Lang: Wie das „Bad“ in den Ortsnamen kam. Vor 120 Jahren erhielt die Kurstadt den offiziellen Namen „Bad Reichenhall“, Heimatblätter 7/2010

Jürgen Udolph: Die Ortsnamen Hall, Halle, Hallein, Hallstatt und das Salz, Bielefeld 2014


Bearbeitung: Andreas Hirsch