Reichenhaller Burgenweg

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Reichenhaller Burgenweg, Übersichtskarte

Der Reichenhaller Burgenweg ist ein grenzüberschreitender Themenwanderweg in Bad Reichenhall, Piding, Bayerisch Gmain und Bischofswiesen in Bayern, sowie Großgmain in Salzburg. Er verbindet die Burgen, Schlösser und Wehrbauten im Reichenhaller Raum. Der Weg ist insgesamt etwa 30 km lang und führt unter anderem auch zu den zahlreichen ehemals erzbischöflich salzburgischen Burgen in diesem Gebiet. Dazu zählen Staufeneck (Piding), Karlstein, Amerang, Vager, Kirchberg, Hallburg und die Plainburg (Großgmain). Am Burgenweg liegen ferner die Wehrbauten Gruttenstein, Stadtbefestigung Reichenhall, Hagenfels, Althaus, Hallthurm und die Schlossbauten Marzoll, Oberhausen und Kirchbergschlössl. Die Wegmarkierung zeigt das stilisierte Relief von Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus dem Kreuzgang von St. Zeno. An den Burgen, Ruinen, Burgställen und Schlössern erklären gelbe Tafeln das jeweilige Objekt. Ausgenommen den Bereich um die Burgen Karlstein, Amerang und Vager, ist der Reichenhaller Burgenweg auch mit dem Fahrrad befahrbar.

Der Reichenhaller Burgenweg wurde 2001 bis 2004 vom Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e.V. erarbeitet. Auf mehreren der Burgställe und Ruinen hat man zu diesem Zweck erstmals archäologische Grabungen durchgeführt und die Befunde dokumentiert. Im Zuge dieser Kampagne wurden 2001 die Reste der Burg Vager entdeckt, deren Lage bis dahin nicht bekannt war.

Als Begleiter auf dem Themenwanderweg ist eine 40-seitige Broschüre erschienen: Johannes Lang: Reichenhaller Burgenweg, Führer zu Burgen und Schlössern im Reichenhaller Raum, Bad Reichenhall 2004.

Kurze Geschichte der Burgen im Reichenhaller Tal

Die Gegend um Bad Reichenhall kann mit ungewöhnlich vielen Burgen, Ruinen und kleinen Schlössern aufwarten. Die hohe Dichte dieser Bauten im Tal der Saalach hat ihren Grund in der enormen wirtschaftlichen Bedeutung der Reichenhaller Saline im Mittelalter. Salz war unter anderem deshalb so wertvoll, weil man es zur Konservierung von Lebensmitteln brauchte, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen. Außerdem gab es vorerst im restlichen Bayern keine weiteren nennenswerten Salzvorkommen. Diese Umstände trugen dazu bei, dass zeitweise bis zu einem Drittel der bayerischen Steuereinnahmen durch den Handel mit Reichenhaller Salz erwirtschaftet werden konnte. Daher setzten sich Herrscher und Machthaber in und um Reichenhall fest, um an der ungeheuren Wirtschaftskraft des Salzes teilzuhaben. Die Burgen im Reichenhaller Tal sind steinerne Zeugen für das Ringen zwischen den Salzburger Erzbischöfen und den bayerischen Herzögen um die Herrschaft über die Salinenstadt Reichenhall.

Burgenpolitik

Als früheste Burganlage im Reichenhaller Tal kann jene von Kirchberg angesehen werden, die der Salzburger Erzbischof Konrad I. von Abenberg um 1130 erbauen ließ. Ihre Errichtung folgte vielleicht sogar einer prähistorischen Ansiedlung und Befestigung (Akropolis). Eine Burg des Hallgrafen auf dem Gruttenstein wird wohl seit 1144 bestanden haben. Sie lag hoch über der Stadt und war in die Stadtmauer mit einbezogen. Die Macht der Hallgrafen (die Grafen von Wasserburg) sank aber im Laufe des 12. Jahrhunderts zusehends. Den hochadeligen Grafen von Peilstein gelang es mit Hilfe des Salzburger Erzbischofs, sich mit der Errichtung der Burg Karlstein vor 1150 in der Nähe der Salinenstadt festzusetzen. An der nach Tirol führenden Straße besaßen sie zudem eine Mautstelle.

Seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert kam es zu einem immer heftiger werdenden Konflikt zwischen dem Bayernherzog und dem Salzburger Erzbischof um die Vorherrschaft in der Salinenstadt. Mit der Errichtung der Burgen Vager (bis 1177) und Amerang (vor 1180) und deren Besetzung mit loyalen ritterlichen Gefolgsleuten konnte Erzbischof Adalbert II. seine starke Stellung in Reichenhall ausbauen.

Gefährlich für die Monopolstellung des Reichenhaller Salzes wurde der um 1190 begonnene Salzabbau der Augustiner-Chorherren in Berchtesgaden. Die Bürger Reichenhalls zerstörten daher in einer Art Selbstjustiz die Berchtesgadener Produktionsanlagen. Die Berchtesgadener Augustiner-Chorherren schützten sich daraufhin seit 1194 mit der Wehranlage Hallthurm gegen mögliche weitere Übergriffe. Die solchermaßen zugespitzte Situation trieb einer ersten Katastrophe entgegen: Die Truppen des Erzbischofs Adalbert II. brannten im Jahre 1196 die Stadt Reichenhall nieder, so dass an die fünfzig Jahre vergingen, bis diese das Ereignis einigermaßen überwunden hatte. Die Burg Gruttenstein war zerstört und in ihrer Nähe wurde eine hölzerne Palisadenburg mit Erdwällen, die so genannte Hallburg vom Erzbischof auf eigenem Grund errichtet. Diese sicher folgenschwerste Zerstörung Reichenhalls soll eine Strafexpedition wegen des Überfalls auf Berchtesgaden gewesen sein. Wahrscheinlich war es aber eine wirtschaftspolitische Maßnahme, mit der der Erzbischof die Konkurrenz vom Salzmarkt verdrängen wollte. Denn in der Zwischenzeit hatte man von Salzburger Seite die Salzlager am Dürrnberg wieder entdeckt und produzierte ab 1198 in der Saline Hallein. Da die Siedeanlagen in Reichenhall komplett zerstört waren, hatte die erzbischöfliche Saline in Hallein von Anfang an die besten Voraussetzungen, um die Marktführerschaft im Salzhandel zu übernehmen. Daher war auch das Interesse an Reichenhall seitens der Salzburger Kirche wesentlich geringer geworden.

Nach dem Aussterben der Peilsteiner 1218 erhielt Herzog Ludwig I. der Kehlheimer als deren Erbe die Burg Karlstein. Mit der in einem Vergleich untersagten Wiedererrichtung der Burg Gruttenstein durch den Herzog begann ein regelrechtes Wettrüsten zwischen Herzog und Erzbischof. In den folgenden Jahren lagen sich dann beide Seiten in Lauerstellung gegenüber, ohne dass sich dabei für die Situation in Reichenhall eine Lösung ergab.

Im Jahre 1255 wurde das Herzogtum Bayern unter den Wittelsbachern aufgeteilt, wobei Reichenhall an Niederbayern fiel. Herzog Heinrich I. von Niederbayern erwies sich als ein Mann der Tat: 1262 zerstörte er acht salzburgische Festungen, darunter auch die drei Burgen (Kirchberg, Amerang, Vager) des Erzbischofs bei Reichenhall. Nachdem sich die Verhältnisse in Salzburg wieder stabilisiert hatten, holte der Metropolit zum Gegenschlag aus, indem seine Truppen 1266 Reichenhall niederbrannten, um dem Herzog durch die Zerstörung der Salinen wirtschaftlich zu schaden. Die herzoglichen Burgen wurden nicht zerstört. Das Ziel, die Herrschaft über die Stadt zu erlangen, war vom Erzbischof weitgehend aufgegeben worden. Dabei war ausschlaggebend, dass die Halleiner Saline jene in Reichenhall in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung längst überholt hatte und der Salzburger Metropolit wichtige Handelswege nach Norden, wie etwa die Salzach, unter seine Kontrolle bringen konnte.

Ende der Burgen

Als 1275 die Grenzen des Erzbistums vom Herzog anerkannt wurden, ging die Loslösung des Landes Salzburg von Bayern in ihre letzte Phase. Im Jahr 1328 war dann durch die Erlassung einer eigenen „Landesordnung“ durch Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz die Entstehung des selbständigen Landes Salzburg weitgehend abgeschlossen. Dadurch waren nun vor allem die ehemals erzbischöflichen Burgen um Reichenhall sinnlos geworden und wurden nicht mehr in Stand gesetzt. Lediglich die als Verwaltungssitz genützten Gebäude wie Gruttenstein und Karlstein, oder Grenzsperren wie Hallthurm wurden weiter unterhalten. Später ließen die aufkommenden Feuerwaffen die Burgen ohnehin nicht mehr als sinnvoll erscheinen.

Die repräsentativen und wesentlich wohnlicheren Anwesen Marzoll (1536), Achselmannstein, Oberhausen (1567) und Kirchbergschlössl (um 1550) lösten die Burgen als Adelssitz ab und symbolisierten den Reichtum der neu etablierten Reichenhaller Patrizier.

Bearbeitung: Andreas Hirsch