Schanzen am Walserberg

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Redouten und historische Gebäude am Walserberg
Die Redoute Nr. 4 an der Saalleite ist am besten erhalten, hier die westliche Ecke

Auf dem Walserberg sind derzeit fünf Schanzen, so genannte Redouten, bekannt. Die Redoute oberhalb von Schwarzbach (Karte Nr.1) wird manchmal mit den Kelten in Verbindung gebracht, was wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Der Grenzübergang und die Landesgrenze am Walserberg blieben bis ins 17. Jahrhundert unbefestigt. Die Errichtung einer regelrechten Grenzbefestigung mit Mauer, Tor und Turm, wie etwa am Hallthurm oder am Steinbach bei Melleck erschien den Salzburger Erzbischöfen wegen der Weitläufigkeit des Geländes und der geringen Steigung aus Richtung Bayern nicht als sinnvoll. In einer Grenzbeschreibung von 1574 sind auf dem Walserberg nur Zäune erwähnt.

Als der Schwedenkönig Gustav Adolf mit seinem Heer 1632 München besetzte, floh der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit der Landschaftskasse und dem Altöttinger Gnadenbild nach Salzburg, wo ihn der verbündete Fürsterzbischof Paris Lodron aufnahm. Die Stadt und das gesamte Erzstift Salzburg waren zuvor von oberitalienischen Baumeistern stark befestigt worden.

In dieser Zeit legte man vermutlich fünf Redouten (Schanzen) auf dem Walserberg an, von denen zwei auf bayerischer Seite im Jahr 1943 wissenschaftlich beschrieben wurden. Drei weitere Redouten erkundete man im Januar 2015 auf österreichischem Gebiet, welche daraufhin in die Denkmalliste aufgenommen wurden. Dabei erkannte man, dass es sich um ein ganzes System von Redouten handelt, zu dem noch weitere, mittlerweile verschwundene Schanzen, gehört haben könnten.

„Redoute“ ist ein Fachausdruck der Festungsbaukunst. Damit ist ein provisorisch mit einfachen Mitteln errichtetes Festungsbauwerk zur Verteidigung gemeint. Es war üblicherweise mit Soldaten belegt und mit Feldgeschützen ausgerüstet. Die fünf bekannten Redouten auf dem Walserberg folgen einem einheitlichen Bauplan: Ein quadratischer Erdwall mit ca. 30 Meter Seitenlänge, der außen von einem umlaufenden, ursprünglich 3 bis 4 Meter tiefen Graben umgeben war. Der Erdwall trug ursprünglich wohl noch eine Holzpalisade. Die Redouten liegen zwischen 380 und 430 Meter voneinander entfernt. Die Redouten Nr. 2, 3 und 4 (siehe Karte) wurden an der Hangkante der Saalleite errichtet, die steil zur Saalach abfällt. Von diesen Redouten aus konnte die strategisch wichtige Bichlbruck beobachtet und gegebenenfalls beschossen werden.

Der Umstand, dass die einzelnen Redouten beiderseits der Grenze errichtet wurden, ist einer der Gründe, die Entstehung in der Zeit um 1630 anzunehmen, da ein solches Vorgehen ansonsten undenkbar gewesen wäre. In südlicher Richtung stellten die versumpften Hochmoorgebiete am Wartberg und am Fuße des Untersbergs ein kaum zu überwindendes Hindernis für Artillerie und große Truppenkontingente dar, weshalb man dort keine Redouten errichten musste.

Ob die einzelnen Redouten zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal benutzt wurden, ist bisher nicht bekannt. Die volkstümliche Benennung „Franzosenschanz“ spräche für eine gelegentliche Nutzung während der Napoleonischen Kriege. In Karten und (Aufmarsch-) Plänen aus dieser Zeit sind die Redouten aber nicht eingezeichnet.

Literatur:

Johannes Lang: Die Grenze auf dem Walserberg. Entstehung und Entwicklung bis zum Ende des Alten Reiches (1806), in: Albin Kühnel: Von der Gränzmauth zum Binnenzollamt. 250 Jahre Zoll am Walserberg, 2015


Bearbeitung: Andreas Hirsch