Schwarzbachwacht

Aus Bad Reichenhall Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Schwarzbachwacht um 1877, Gemälde von Louis Braun
Die Schwarzbachwacht um 1900

Die Schwarzbachwacht oder das „Wachterl“ ist ein Bergsattel auf 868 m Seehöhe, zwischen dem Lattengebirge und der Reiter Alpe in der Gemeinde Ramsau, den die Bundesstraße B 305 überquert.

Grenze

Die Grenzen der Propstei Berchtesgaden bildeten sich bis zum Ende des 13. Jahrhunderts heraus. Bereits 1306 wurde Berchtesgaden erstmals als „Land“ bezeichnet. Wie alle Zugänge wurde auch der Weg in der Nähe des Schwarzbachursprungs bewacht. Etwa 500 Meter östlich der ehemaligen Grenze zwischen Berchtesgaden und Bayern entspringt der Schwarzbach im Schwarzbachloch (Quellhöhle) und mündet nach ca. 6 km bei Unterjettenberg in die Saalach. Ein „turn zu Hall in Swartzzenpach“ erscheint im Zusammenhang mit der Annexion Berchtesgadens durch Salzburg (1394 bis 1409) in den Quellen. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Befestigung an der Schwarzbachwacht. Aufgrund der bedrohlichen Lage durch den Spanischen Erbfolgekrieg stationierte die Propstei am 27. Juli 1704 an der Schwarzbachwacht zwölf Mann und einen Kommandanten.

Salzausfuhr direkt nach Bayern

Wegen des geringen Eigenbedarfs der Propstei Berchtesgaden exportierte man etwa 90 Prozent des Berchtesgadener Salzes vorwiegend nach Salzburg und Bayern. Beide Nachbarländer beschränkten jedoch den Verkauf und die Durchfuhr des Berchtesgadener Produkts in Abstimmung mit ihren eigenen Erzeugnissen. Die Propstei konnte den Handel mit ihrem Salz nicht beeinflussen, sondern war ihren beiden großen Nachbarn ausgeliefert. Die anfangs wichtigste Strecke der Salzausfuhr war der Weg durch den „vorderen Ausgang“ am Hangendenstein in Richtung Salzburg. Im 16. Jahrhundert gewann der „hintere Ausgang“ über Hallthurm, der über den „Hallthurmer Spitz“ (salzburgisches Territorium) nach Bayern führte, an Bedeutung. Bayerische und Berchtesgadener Fuhrleute brachten Schellenberger Salz über Reichenhall, Traunstein und Wasserburg nach München, von wo es bis nach Schwaben gelangte. Mit dem Beginn der Produktion in der Saline Berchtesgaden-Frohnreuth stieg das Transportvolumen stark an. Einen Teil des Salzes brachten Säumer über den Hirschbichl in den Pinzgau und weiter nach Tirol.

Während des „Salzkrieges“ von 1611 zwischen Bayern und Salzburg war der damals errichtete Weg über die Schwarzbachwacht vorübergehend von Bedeutung, da er als einziger direkt auf bayerisches Gebiet führte. Der Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau hatte zuvor die drei anderen Wege (Hallthurm, Hangendenstein, Hirschbichl), die alle über salzburgisches Territorium führten, sperren lassen. Herzog Maximilian von Bayern ließ den Weg von Ramsau über die Schwarzbachwacht innerhalb von zwei Monaten ausbauen, womit die Berchtesgadener Salzausfuhr gesichert war. Im Zuge dessen erweiterte man den bereits 1590 ausgebauten Weg über die Weißbachschlucht nach Traunstein, der sodann auch von Fuhrwerken befahren werden konnte.

Soleleitung

Nachdem Berchtesgaden und Salzburg 1810 an Bayern gefallen waren, sollten das Berchtesgadener Salzbergwerk und die Saline in das bayerische Salzwesen integriert werden. So erhielt der Ingenieur Georg von Reichenbach am 11. Juli 1814 den Geheimauftrag, die Möglichkeiten einer Soleleitung von Berchtesgaden nach Reichenhall zu erkunden. Reichenbach plädierte dafür, eine solche Leitung aus technischen und finanziellen Gründen über den Hallthurm legen zu lassen. Durch den Münchner Vertrag von 1816 jedoch fiel das Land Salzburg wieder an Österreich zurück, woraufhin diese Trasse nicht mehr infrage kam. Die Leitung hätte nämlich zwischen dem Röthelbach und dem Weißbach den so genannten „Spitz am Hallthurm“ durchqueren müssen, der nun wieder zu Österreich gehörte. Daher wich man auf den Weg über die Schwarzbachwacht aus, wo aber eine mehr als doppelt so hohe Steigung überwunden werden musste.

Die 29 Kilometer lange, 1817 in Betrieb genommene Soleleitung, bestand aus durchbohrten Fichten- und Tannenstämmen, die Steig- und Aufschlagwasserleitungen aus Gusseisenrohren. Bei der Schwarzbachwacht hatte man ein Brunnhaus mit drei Solereserven (Bassins) erbaut. Von dort floss das Salzwasser im Gefälle zum Brunnhaus Jettenberg und am rechten Saalachufer weiter zum Hauptbrunnhaus der Reichenhaller Saline.

Eine gänzlich neue Soleleitung vom Salzbergwerk Berchtesgaden über Hallthurm nach Bad Reichenhall ersetzt seit 1961 die Leitung über die Schwarzbachwacht. Der früher zu Österreich gehörende Spitz am Hallthurm, welcher die Verlegung der Soleleitung über Hallthurm damals verhindert hatte, war durch eine Grenzregulierung im Jahre 1851 an Bayern abgetreten worden. Die Hallthurmer Strecke ist 11 Kilometer kürzer als die alte Trasse und deutlich niedriger gelegen.

Straße

Die alte Straße (Alte Reichenhaller Straße, BGL 14) verläuft von Ramsau kommend südwestlich am Taubensee vorbei zur Schwarzbachwacht. Parallel zur Soleleitung hatte man 1817 für deren Unterhalt eine „Salinenstraße“ angelegt, die später dem königlichen Auftraggeber zu Ehren „Maximilians-Soleleitungs-Straße“ genannt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sie sich zu einer beliebten Touristenroute, auf der man an der Schwarzbachwacht in einem „Bierhäuschen“ einkehren konnte, dass sich zum heutigen „Wirtshaus Wachterl“ entwickelt hat. In den 1930er Jahren erfolgten der Ausbau und eine weitgehende Neutrassierung als Teil der „Deutschen Alpenstraße“.


Quellen

Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, 2009, S. 378-382, 545-546

Geschichte von Berchtesgaden, Band I, S. 800, 833, Band II/1, S. 245, 446, Band III/2, S. 720-728

Bearbeitung: Andreas Hirsch