Soleleitungen Berchtesgaden - Bad Reichenhall

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Wassersäulenmaschine Typ III aus Ilsank von Georg von Reichenbach im Salzbergwerk Berchtesgaden
Bayerisches Soleleitungssystem ab 1817
Soleleitungsweg oberhalb von Berchtesgaden

Die beiden Soleleitungen von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall waren/sind die jüngsten der bayerischen Soleleitungen. Die Leitung über Hallthurm ist bis heute in Betrieb.

Nachdem Berchtesgaden und Salzburg 1810 an Bayern gefallen waren, sollten das Berchtesgadener Salzbergwerk und die Saline Berchtesgaden-Frohnreuth in das bayerische Salzwesen integriert werden. So erhielt der Ingenieur Georg von Reichenbach am 11. Juli 1814 den Geheimauftrag, die Möglichkeiten einer Soleleitung (Salzwasserleitung) von Berchtesgaden nach Reichenhall zu erkunden.

Planung

Reichenbach plädierte dafür, eine solche Leitung aus technischen und finanziellen Gründen über den Hallthurm legen zu lassen. Durch den Münchner Vertrag von 1816 jedoch fiel das Land Salzburg wieder an Österreich zurück, woraufhin diese Trasse nicht mehr infrage kam. Die Leitung hätte nämlich zwischen dem Röthelbach und dem Weißbach den so genannten Spitz am Hallthurm durchqueren müssen, der nun wieder zu Österreich gehörte. Daher wich man auf den Weg über die Schwarzbachwacht aus, wo aber eine mehr als doppelt so hohe Steigung zu überwinden war. So musste die Sole am Lockstein 90 Meter und am Söldenköpfl sogar 356 Meter hinaufgepumpt werden. Diese Probleme meisterte Reichenbach, indem er so genannte Wassersäulenmaschinen einsetzte. Derartige Pumpen hatte er bereits 1810 für die Soleleitung Reichenhall - Rosenheim entwickelt und passte diese Konstruktion nun den Berchtesgadener Erfordernissen an. Damit konnte man die Steigung am Söldenköpfl nicht, wie ursprünglich geplant, in mehreren Etappen, sondern sogar mit einer einzigen Pumpstation bewältigen. Die Einzelteile der Maschinen wurden in der Gießerei Oberascher in Salzburg gegossen und in der „Kunstwerkstätte“ der Reichenhaller Saline zusammengebaut.

Bauarbeiten

Die 29 Kilometer lange Soleleitung bestand aus durchbohrten Fichten- und Tannenstämmen, die Steig- und Aufschlagwasserleitungen aus Gusseisenrohren, welche per Schiff über Donau, Inn und Salzach aus der königlichen Eisenhütte Bodenwöhr in der Oberpfalz angeliefert wurden. Die Aufsicht über die Bauarbeiten oblag dem Direktor der General-Bergwerks- und Salinen- Administration Friedrich von Schenk. Bei den Bauarbeiten waren über 1000 Menschen beschäftigt, von denen etwa 400 nicht aus dem Berchtesgadener Bereich, sondern vorwiegend aus ganz Bayern und Österreich stammten. Da man ohne Pause auch den Winter hindurch arbeitete, konnte die Soleleitung am 21. Dezember 1817 im Beisein des Königs feierlich eröffnet werden.

Strecke

Von der Solehebemaschine beim Stolleneingang des Berchtesgadener Ferdinandsbergs gelangte die Sole zum Brunnhaus Pfisterleiten beim Hofbräuhaus und wurde dort von einer Wassersäulenmaschine in einer Steigleitung 90 Meter bis auf halbe Höhe des Locksteins gepumpt. Von der an der Felswand liegenden Hochreserve lief das Salzwasser an Berghängen entlang zum Brunnhaus Ilsank im Tal der Ramsauer Ache. Dort drückte ebenfalls eine Wassersäulenmaschine die Sole durch eine eiserne Steigleitung 356 Meter hinauf zum Solehochbehälter auf dem Söldenköpfl. Das Salzwasser floss nun im Gefälle zum Brunnhaus Schwarzbachwacht, von dort zum Brunnhaus Jettenberg und weiter zum Hauptbrunnhaus der Reichenhaller Saline. Alle südbayerischen Salinen – Berchtesgaden-Frohnreuth, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim - waren nun durch Soleleitungen mit dem Berchtesgadener Bergwerk verbunden, die Produktion auf vier Standorte verteilt.

Veränderungen

Im Jahre 1903 wurde die Soleleitung modernisiert und teilweise neu konzipiert. So ersetzte man die Reichenbach‘schen Maschinen im Bergwerk und an der Pfisterleite durch moderne Pumpen und verlegte die Soleleitung vom Bergwerk bis zur Gmundbrücke auf einer neuen Trasse. Die Deicheln (Holzrohre) auf der Strecke zwischen Schwarzbachwacht und Bad Reichenhall wurden 1906 durch Stahlrohre ersetzt. Im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen wurden die Salinen Traunstein 1912 und Berchtesgaden-Frohnreuth 1927 geschlossen, nachdem zuvor die Reichenhaller Saline von Grund auf neu errichtet worden war. Die Sole aus dem Salzbergwerk Berchtesgaden floss seither nur noch nach Bad Reichenhall und Rosenheim. Die Soleleitung von Berchtesgaden zur Bad Reichenhaller Saline wurde 1926 bis 1928 erneuert. Dabei ersetzte man die Wassersäulenmaschine in Ilsank durch eine neue Pumpanlage. Die Soleleitung zwischen Ilsank und Schwarzbachwacht wurde auf eine neue Trasse entlang der Straße verlegt und das Brunnhaus auf dem Söldenköpfl somit überflüssig. Die Leitung zwischen Gmundbrücke und Ilsank verlegte man nun ebenfalls neben die Straße.

Neue Soleleitung über Hallthurm

Aus Gründen der Rationalisierung wurde die veraltete Rosenheimer Saline 1958 geschlossen und die bayerische Salzerzeugung damit auf Bad Reichenhall konzentriert. Eine gänzlich neue Soleleitung vom Salzbergwerk Berchtesgaden über Hallthurm nach Bad Reichenhall ersetzt seit 1961 die Leitung über die Schwarzbachwacht. Der früher zu Österreich gehörende Spitz am Hallthurm, welcher die Verlegung der Soleleitung über Hallthurm damals verhindert hatte, war durch eine Grenzregulierung im Jahre 1851 an Bayern abgetreten worden. Die Hallthurmer Strecke ist 11 Kilometer kürzer als die alte Trasse und deutlich niedriger gelegen. Sie besteht aus zwei parallel laufenden Rohrleitungen, die mit 2400 cbm pro Tag das Dreifache der früheren Leitung befördern können. Damit sicherte man einerseits den Fortbestand des Bergwerks Berchtesgaden und andererseits den Betrieb der Saline in Bad Reichenhall, welche seit 1968 zusätzlich mit Sole aus Tiefbohrungen im Reichenhaller Tal versorgt wird.

Siehe auch: Bayerische Soleleitungen

Literatur:

Manfred Feulner, Die berühmte Berchtesgadener Soleleitung, Berchtesgaden 1988

Bearbeitung: Andreas Hirsch