Altes Kriegerdenkmal - Totenleuchte (Marzoll)

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Die Totenleuchte auf dem Marzoller Friedhof

Das alte Kriegerdenkmal auf dem Friedhof der Pfarrkirche St. Valentin in Marzoll war ursprünglich eine Totenleuchte, wie sie seit dem Mittelalter auf vielen Friedhöfen zu finden waren. Die Säule stammte dem Volksmund nach aus der Römerzeit und sei dem Kriegsgott Mars geweiht gewesen. Immerhin wusste man vom antiken Ursprung des Ortes, wo auf den umliegenden Äckern immer wieder römische Münzen gefunden wurden. Von dieser Säule leitete man auch den Ortsnamen ab, der sich von „Martis ollas“ über „Marssaul“ zu „Marzoll“ entwickelt habe. Später wurde aus der Säule ein ganzer Marstempel mit benachbartem Römerkastell. Obwohl der Marzoller Pfarrer Dominik Winkler und der bedeutende Historiker Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld bereits 1810 auf den gotischen Stil der Säule hinwiesen und sie ins späte Mittelalter datierten, findet man Marstempel und Römerkastell noch immer in Reiseführern (2014) und auf Internetseiten (2016).

Das Alte Kriegerdenkmal in Marzoll wurde 1810/1811 auf Initiative von Dominik Winkler (1774 – 1857), des ersten Pfarrers von Marzoll, errichtet. Dazu hat man die gotische Totenleuchte auf dem Friedhof vor der Kirche des heiligen Valentin umgestaltet. Eigentlich sollte die Totenleuchte auf Weisung der königlichen Bauinspektion entfernt werden. Winkler jedoch trat „aus Achtung für ihr Alter und zur Bewahrung traditioneller Rückerinnerungen“ für ihren Erhalt ein. Daraufhin wurde die Säule in ein Denkmal „zum Andenken der in den neuesten französischen Feldzügen aus der hiesigen Gemeinde verstorbenen Krieger“ umgewidmet. Vor den alten Lichtstock-Öffnungen wurden vier ovale Tafeln aus Untersberg-Marmor angebracht, worauf jeweils ein Gefallener aus der Pfarrei verzeichnet ist: „Simon Holzner, Landlbauers Sohn zu Türk, gestorben im Feldzuge 1809. Matthias Aigner, Herrschaft Mayr Sohn in Marzoll, gestorben auf dem Rückmarsch vom Feldzuge 1805. Andrae Holzner, Bauern Bauers Sohn in Weißbach, gestorben als Kriegsgefangener zu Temeswar in Ungarn den 30 Nov. 1809.“ Später verewigte man noch den „Franz Kuglstader, Jakl- Bauers Sohn zu Türk, KäMpfenD fVr teVtsChe FreIheIt In FrankreICh gefaLLen.“ Das Chronogramm (Großbuchstaben im Text: MDVVCIIIICLL) ergibt das Jahr 1814. Am Säulenschaft wurden zwei weitere Tafeln in Wappenform angebracht: „Mortuis in patriae defensione“ – „den bei der Verteidigung der Heimat Gestorbenen“ und „MarzoLLensIs paroChIa DICaVIt“ – „gewidmet von der Marzoller Pfarrei“, (Chronogramm: 1809).

Das Monument gilt als eines der ältesten Kriegerdenkmäler in Bayern.

Siehe auch: Totenleuchte Wals: http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Datei:Seelenleuchte_in_Friedhof_von_Wals_westlich_der_Kirche.jpg

Literatur

Johannes Lang, Denkmäler und Veteranenvereine. Erinnerungskultur infolge der „Franzosenkriege“ in: Friederike Zaisberger (Hrsg.), Der Russlandfeldzug 1812 und der Salzachkreis. Schicksale im Krieg und daheim, Salzburg 2013


Bearbeitung: Andreas Hirsch